Frau Passmann kommt nach Bonn: Feminismus im Pantheon
Bild: Asja Caspari

Frau Passmann kommt nach Bonn: Feminismus im Pantheon

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Sophie Passmann heißt die Frau, die Anfang März ihr erstes eigenes Buch veröffentlicht hat und nun im Bonner Pantheontheater für einen vollen Saal gesorgt hat. „Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch“ heißt ihr SPIEGEL-Besteller. Derzeit reist die Feminstin durch Deutschland und liest aus ihrem Werk vor.

Sophie Passmann ist Kolumnisten bei der ZEIT, Podcasterin und Moderatorin beim Radiosender 1LIVE, im Ensemble des Neo Magazin Royales und seit März Buchautorin.

Für das Buch mit dem rosafarbenen Cover sprach Sophie Passmann einen Sommer lang mit fünfzehn Männern und stellte ihnen immer wieder die gleiche Frage: „Sind Sie ein alter weißer Mann?“. Fünfzehn Männer, fünfzehn verschiedene Definitionen vom „alten weißen Mann“. Vom WELT – Chefredakteur Ulf Poschardt bis zum Schweizer Sportjournalisten Marcel Reif darf sich jeder einmal rechtfertigen.

Bevor es los geht, erstmal eine Zigarette

Lässig kam Sophie Passmann am Dienstagabend durch den Vorhang des Pantheontheaters geschlendert, nur mit einem rosa Buch in der Hand, ihrem eigenen Buch. Sie setzte sich an den Schreibtisch auf dem bereits das Mikrofon und der Aschenbecher bereitstanden und stellte dann fest, dass sie ihre Zigaretten Backstage vergessen hat. Dieses Problem sollte aber schnell behoben werden, denn ihre Lektorin flitzte schon zwischen den Tischen des Saals hindurch und warf ihr die benötigten Zigaretten auf die Bühne. Während Sophie an ihrer Zigarette zog, stellte sie direkt fest: „Man sollte keine Witze über andere Städte in NRW machen, das habe ich gemerkt. Immerhin sind wir ja alle ‚Sektor‘“. Für diejenigen, die das 1LIVE- Vokabular nicht beherrschen: Mit dem ‚Sektor‘ ist Nordrhein-Westfalen gemeint.

Drei Kapitel, drei Männer, drei unterschiedliche Orte

Nachdem die erste Zigarette aufgeraucht war und Sophie Passmann ein bisschen aus dem Nähkästchen der Tour berichtete, konnte der Abend beginnen. Aus drei Kapiteln ihres Buches las sie vor. Sie begann vom illegalen Ausflug mit dem Bundestagsabgeordneten und GRÜNEN-Vorsitzenden Robert Habeck zu sprechen. Dieser offenbarte im Gespräch, ganz im Grünen-Stil, sein scheinbar sehr detailliertes Vogelwissen und spezifizierte, ganz der Experte, den Kormoran, welcher gerade aus dem Wasser der Spree auftauchte. Sophie Passmann, die mit dem Tierreich eher weniger anfangen kann, ordnete dieses Geschöpf dem höchst differenzierten Überbegriff ‚Vogel‘ zu. Nebenbei sprachen die beiden aber auch noch über das Thema Feminismus und da konnte sich Sophie während der Lesung auch den ein oder anderen Spruch über die Partei „Die Grünen“ nicht verkneifen.

Für Mercedes-Benz verstoßen

Es ging am Abend aber nicht nur um Grünenpolitiker und die links-grüne Feminismus Perspektive, sondern auch um konservativerere Standpunkte. Mit WELT-Chefredakteur Ulf Porschardt sprach Sophie ganze zwei Mal über den Feminismus, was daran lag, dass die CEOs von Mercedes-Benz vor der Tür standen und Sophie das erste Gespräch mit Herrn Porschardt abbrechen musste. Sophie erzählte während sie aus dem Kapitel vorlas von der „absurd kleinen Flasche Cola“, welche Herr Porschardt von seiner Assistentin hineingebracht bekam, aber auch von seiner Feststellung, er habe keinen Bock mehr “in irgendwelche Männervisagen zu schauen”. Viel schöner und besser und angenehmer sei es geworden in den Konferenzen, seit es eine fünfzig-fünfzig mäßige Repräsentation gebe. Diesen Satz ließ Sophie Passmann, ganz die Feministin, mit einer künstlerischen Pause erstmal so stehen. Der Saal blieb ebenfalls still, schätzungsweise waren alle geschockt.

Nicht nur berühmte Männer, sondern auch Papa war dabei

Als Abschluss las Sophie Passmann aus dem Kapitel vor, indem sie sich mit ihrem eigenen Vater unterhalten hat. Papa Passmann habe die Auffassung, dass Frauen keine Zigaretten in der Öffentlichkeit rauchen sollen und unter Röcken Strumpfhosen zu tragen haben. Er traf seine vegan-lebende Tochter zu dem Gespräch schließlich in einem Steak-Restaurant. Dieses Kapitel war gleichzeitig das privateste Kapitel des Buches „Alte weiße Männer“ und rundete den Abend ab. Sie erzählte zwischen den Seiten davon, wie es ist, wenn der Vater regelmäßig über die Verspätungen der Bahn twittert und der eigene Chef, Jan Böhmermann, mitliest und einen regelmäßig auf die Tweets des eigenen Vaters anspricht.

Ein Buch, das nicht nur Frauen interessiert

Die neunzig Minuten mit Sophie Passmann haben sich für jeden gelohnt, der mehr über Sophie persönlich erfahren möchte. Es waren nicht, wie zu erwarten, nur junge Frauen vor Ort, sondern durchaus auch die ältere Generation und überraschenderweise recht viele Männer. Der Feminismus ist eben ein Thema, welches alle Geschlechter und Altersgruppen angeht. Auf die Frage von bonnFM, was ihr am Gespräch mit dem ehemaligen Chef-Redakteur der BILD-Zeitung, Kai Diekmann, am besten gefallen hat, kam ganz Sophie Passmann-mäßig die Antwort „als es vorbei war“.

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