Zwischen „Kanelknuter“ und Liebesdramen
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Zwischen „Kanelknuter“ und Liebesdramen

Lesezeit: 3 Minuten

Einen Einblick in den finnischen Sommer bekamen die ZuschauerInnen letzte Woche Donnerstag auf dem Opening der Skandinavischen Filmtage im Kino der Brotfabrik in Bonn. Der Film „Seurapeli“ (auf deutsch: „Gesellschaftsspiele“) läutete drei Wochen voller nordischer Filmperlen an, die nach der langen Pause wieder Lust auf das Kino machen.

Zu lange saß man nicht mehr in der Dunkelheit des Kinosaals und tauchte für ein paar Stunden in eine andere Welt ein. Dabei hätten sich das die meisten von uns während der Corona-Pandemie gewünscht, unseren eigenen vier Wänden zu entfliehen und kurz die Eintönigkeit unseres Lockdown-Alltags zu vergessen. Auf der Couch und mit der Netflix-Doku „Tiger King“ im Hintergrund funktioniert das weniger gut. Daher freut es bestimmt Kino-LiebhaberInnen und GelegenheitsgängerInnen gleichermaßen, dass seit dem 01.07. die Kinos in NRW wieder offen haben. Doppelte Freude kommt auf, wenn man auf nordische Art-House Filme steht, denn zeitgleich starten die Skandinavischen Filmtage in Bonn, die jedes Jahr von der gleichnamigen studentischen Kulturgruppe organisiert werden.

Kino mit Konzept

Am Eröffnungsabend im Kino der Brotfabrik in Bonn Beuel konnte man dann doch nicht ganz Corona entfliehen, denn abgefangen wurde man von der Filmtage-Crew vor dem Saal mit der Frage nach einem tagesaktuellen Schnelltest. Denn das Hygiene-Konzept kann sich sehen lassen und sorgt dafür, dass man sich bei nur 50 prozentiger Saal-Auslastung, Maskenpflicht bis zum Platz und Gäste nach dem drei G-Prinzip (Genesen, Geimpft, Getestet) auch wohlfühlt.

„Auf Tour kann man nicht sauer sein“

Bevor die Titelkarte des Films eingeblendet wird, gibt es eine kurze Begrüßung der Filmtage-Crew, die aus Studierenden der Uni Bonn aus unterschiedlichsten Fachrichtungen besteht. Dieses Jahr war die Planung schwerer als gedacht, die Filmtage mussten wegen der Pandemie zweimal verschoben werden.

Das Warten hat sich gelohnt und obwohl die wenigsten dieses Jahr schon in den Norden gereist und durch die Schneelandschaft Schwedens gestapft sind, ließen die Organisatoren es sich nicht nehmen den diesjährigen Fotowettbewerb trotzdem unter dem Motto: Skandinavien von Zuhause aus zu organisieren. Mit dabei unter anderem Sarah Meurer mit einer Fotografie des skandinavischen Gebäcks „Kanelknuter“ oder Katharina Hülsmann im Norwegerpulli und mit Picknickdecke auf einer Wiese unter dem Titel: „Ut på tur“ –  was von dem norwegischen Wander-Sprichwort: „Ut på tur, aldri sur“ stammt und soviel heißt wie: „Auf Tour, kann man nicht sauer sein“.

Ein Programm, was sich SEHEN lassen kann

Lust durch die nordische Landschaft zu wandern, hatte man dann spätestens während „Seurapeli“ (dt. „Gesellschaftsspiele“) – ein Film der Regisseurin Jenni Toivoniemi

über eine Freundesgruppe, die zum Geburtstag ihrer Freundin „Mitzi“ sich nach langer Zeit auf der finnischen Schäreninsel wieder trifft. Der Film schaukelt sich zwischen den unterschiedlichen (Liebes)-Beziehungen der Charaktere immer weiter hoch und bietet am Ende allá „Das perfekte Geheimnis“ – nur in besser – eine Antwort auf die Frage: Was passiert, wenn man für ein Wochenende sein Handy ausschaltet und zu viel finnischer Wodka fließt.

Der diesjährige Gewinner in der Oscarkategorie bester ausländischer Film „Druk“ (dt. „Der Rausch“) ist auch am Start und wird gleich dreimal gezeigt (03.07/09.07./ 17.07.). Der Titel lässt es schon erraten, es geht erneut um Alkohol und zwar spielt Mads Mikkelsen in dem dänischen Drama einen Gymnasiallehrer, der lebenskriselnd vor dem Unterricht zur Flasche greift, um eine Theorie eines Philosophen auszutesten, nach der alle Menschen mit einem zu niedrigen Alkoholspiegel geboren wurden.

Enden tun die Skandinavischen Filmtage am 18.07 mit gleich fünf Kurzfilmen, die sich alle um menschliche Beziehungen und aktuelle Themen wie Rassismus und Sexismus drehen. Kleiner Filmtipp mit bonnFM-Bezug: In dem finnischen Kurzfilm: „Kuuntelen“ (dt. „Ich höre“) geht es um die Radiomoderatorin Mirja, die einen nächtlichen Anruf einer Hörerin erhält, der ihre Job-Routine durcheinanderwirft.

Skandinavien-Sehnsucht

Wer sich am Ende in den Kinosaal reingetraut hat, ging nach zwei Stunden mit einem Lächeln, dem Wunsch Finnisch zu lernen, „Kanelknuter“ zu essen und der Erinnerung was es heißt ins Kino zu gehen wieder raus. Da wundert es einen nicht, dass der nächste Griff zum Programm nicht lang dauerte.

Das volle Programm (vom 01.07.2021- 18.07.2021) der Skandinavischen Filmtage findet ihr auf der Website . Dort könnt ihr auch für euer Lieblingsfoto des Foto-Wettbewerbes abstimmen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Beatrix Popescu

    Sehr informativer Artikel, auch Leute die bisher Vorbehalte hatten, bzgl.Corona-Hygienekonzept ins Kino zu gehen werden überzeugt es doch zu tun.

  2. Christoph Seher

    Der Text macht wirklich Lust auf den Kinobesuch. Sehr gut geschrieben!

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